Landwehr

Zur Geschichte

 Im späten Mittelalter kühlten sich die Temperaturen nach dem mittelalterlichen Klima-Optimum (900 bis 1.300 n.Chr.) deutlich ab. Das 14. Jahrhundert war außerdem gekennzeichnet von sehr starken Regenfällen.

Quelle: Klima-Zyklen und ihre Extrapolation in die Zukunft von Dr. Dietrich E.Koelle aus dem Jahr 2015. Die Studie und die Grafik stammen von einer Eisbohrkernuntersuchung aus dem Grönlandeis

Im Sommer 1342 litten die Städte am großen Magdelenen Hochwasser, dessen Pegelstände in Hann. Münden oder in Würzburg bis heute unerreicht blieben.

Am 16. Januar 1362 veränderte die Zweite Marcellusflut, auch bekannt als die Große Manntränke den gesamten Küstenverlauf der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Zehntausende Menschen kamen ums Leben, riesige Landflächen gingen verloren, und mit Rungholt versank einer der wichtigsten norddeutschen Handelsorte in den Fluten.

Auch in unserer Region litt vor allem die Landbevölkerung unter diesen Zuständen, da sie durch Missernten zunehmend verarmte. Einige Landesfürsten begannen daraufhin Raubzüge zu planen, um andere Dörfer zu überfallen.

Da kamen z.B. 1382 Jan und Bertfeld von Oberg mit ihren Helfern über Woltorf, Zweidorf, Leiferde, Veltenhof und Ölper mit „rove unde brande“. Sie drangen in die Dörfer ein, raubten das Vieh, sie nahmen das gesamte Hab und Gut und steckten am Ende die Häuser in Brand.

Auf den Handelsstraßen wurden die Wagenzüge der Kaufleute überfallen und auch vor den Toren Braunschweigs war man sich vor Raub und Mord nicht mehr sicher.

Planung und Bau der Landwehr

Um diesen Zuständen ein Ende zu setzen und um die Zivilbevölkerung zu schützen, beschloss der Rat der Stadt Braunschweig im Jahre 1376 den Bau der Landwehr. Geplant und gebaut wurde eine Wallanlage im Abstand von ca. fünf Kilometern zum Stadtkern, bestehend aus zwei parallelen Erdwällen und drei Gräben. Dort, wo die Straßen die Landwehr kreuzten, wurden Wachtürme aufgestellt.

Das Wachpersonal stand dabei in Sicht- und Hörkontakt mit den Wächtern auf der Katharinen- und Martinikirche. Bei Gefahr wurde in der Stadt Sturm geläutet und eine Schutztruppe von der Stadtmauer in den gefährdeten Bereich ausgesendet.

Durch diese Maßnahmen wurde der innere Bereich gut gesichert. Dies ging aber zu Lasten der kleinen Dörfer außerhalb der Landwehr. Sie fielen den Überfällen umso mehr zum Opfer.

Die Entstehung der Zollstationen

Man merkte sehr schnell, dass neben den Bauern und Anwohnern auch der gesamte Warenverkehr von und nach Braunschweig die Schlagbäume an den Wehrtürmen passieren musste und es sich hier anbot, Wegzoll zu kassieren.

So entstanden die Zollstationen an den sieben Türmen der Landwehr.

  • Wendenturm
  • Ölper Turm
  • Raffturm
  • Rothenburger Bergfried
  • Rüninger Turm
  • Schöppenstedter Turm
  • Gliesmaroder Turm

Alle Stationen bekamen Gastronomie, Schlafmöglichkeiten für die Reisenden und für die Unterbringung der Zugtiere jeweils einen eigenen Pferdestall. Auf diese Weise erhielt dieses große, als Schutzanlage gedachte Bauwerk, eine noch größere wirtschaftliche Bedeutung.

Der Schutzwall um Braunschweig war nahezu undurchdringlich.

Der Bau der ca. 28 Kilometer langen Landwehr war 1393 abgeschlossen. Im Norden, im Bereich Wendenturm bzw. zwischen Ölper und Broizem, bestand sie aus drei Gräben und zwei Wällen. Im Osten wurden die Wabe und die Mittelriede mit einbezogen.

Bei der Betrachtung des Schnittbildes wird deutlich, dass das Material, welches unten durch den Bau der Gräben fehlte, oben auf den Wällen abgelagert wurde. Auf diese Weise musste kein neues Material herbeigeschafft werden. Vermutlich wurde der sogar kostbare Mutterboden vor Baubeginn bei Seite geschafft und kam nach dem Aushub der Gräben ebenfalls auf die Wälle.
Die Hauptbepflanzung der Wälle waren Hainbuchen. Die Äste der jungen Bäume wurden mit dem Beil von unten angeschlagen und anschließend heruntergebogen (gebeugt). Diese wurden mit Haselnuss-Sträuchern verflochten und mit dornigen Brombeeren kombiniert. Auf diese Weise entstand eine Hecke (Gebück), die für Mensch und Tier undurchdringlich wurde. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass alle Pflanzen auf der Landwehr essbare Früchte tragen und wie klug sie ausgewählt wurden, um den einstigen Hungersnöten entgegenzuwirken.

Neben dem Ölper Holz ist die Landwehr auch im Lammer Holz und in den Wäldern von Mascherode noch gut sichtbar. Haselnuss-Sträucher und Brombeeren braucht man an diesen Stellen nicht lange zu suchen und je mehr Abschnitte man sich anschaut, desto klarer wird, dass sie ein Teil der ursprünglichen Bepflanzung gewesen sein mussten.
Junge Hainbuchen ersetzten im Laufe der Jahre das alte, knochige Gebück. Sie konnten ungehindert in die Höhe wachsen und sind heute vom normalen Wald nicht mehr zu unterscheiden.

Auch wenn die Landwehr in unseren Wäldern heute nicht mehr so aussieht wie ursprünglich, so wurde sie dort doch mit Abstand am besten bewahrt und konserviert. Nur dort findet man noch erhaltene Abschnitte. Auf freiem Feld wurde sie ausnahmslos begradigt und zerstört.

Stefan Holland, Heimatpfleger von Ölper

Siehe auch: https://www.bs-oelper.de/heimatpflege/geschichte/braunschweiger-landwehr/

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